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Baustoffhandel News

Baukonjunktur lässt nach - Interesse am eigenen Heim ungebrochen

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- Die Auswirkungen der Preis- und Zinssteigerungen auf die Bautätigkeit privater Bauherren variieren je nach Wirtschaftskraft der Region sowie Angebot und Nachfrage nach Immobilien.

„Die Party ist zu Ende“ - so zeichnet der Verband Privater Bauherren das aktuelle Stimmungsbild im privaten Wohnungsbau. Von der abwartenden Zurückhaltung bis zur endgültigen Stornierung - regional ergibt sich dabei nach aktuellen Untersuchungen des VPB ein differenziertes Bild. 

Den Ernst der Lage auf dem Bau spiegelt eine interne Blitz-Umfrage des Verbands Privater Bauherren wider. Die über 70 über Deutschland verteilten Regionalbüros sehen erhebliche Auswirkungen der Preis- und Zinssteigerungen auf die Bautätigkeit der privaten Bauherren. Dabei ist die Stimmung je nach Wirtschaftskraft der Region ebenso unterschiedlich wie das Angebot und die Nachfrage nach Immobilien.
 

Ländliche Gebiete

Die eher ländlichen und strukturschwächeren Gebiete melden einen erheblichen Rückgang bei Bauherren von Einfamilienhäusern. Hier gibt es aus Sicht der Bauherrenberater nur dort noch nennenswerte Bautätigkeit, wo Grundstücke gezielt zu Sonderkonditionen an Familien abgegeben werden. 

Gerade aus den Kommunen mit geringer Kaufkraft vermelden die Regionalbüros des VPB einen erheblichen Rückgang der Bautätigkeit und auch von ersten Entlassungen bei den Baufirmen aufgrund weggebrochener Aufträge. Mehrfach wird von Bauherren berichtet, deren Finanzierung von der Hausbank wegen der Zins- und Baupreissteigerungen abgelehnt wurde. 
 

Wirtschaftliche starke Zentren

In wirtschaftlich eher prosperierenden und seit langem schon hochpreisigen Städten ist hingegen nach wie vor das Interesse an Eigentumswohnungen hoch. Hier spielt natürlich die Verfügbarkeit von Grundstücken eine Rolle. Wer hier kauft, muss meist im höherpreisigen Segment kaufen, hier sind meist Quadratmeterpreise von 5.000 Euro bis 10.000 Euro und mehr für Neubauwohnungen in innerstädtischer Lage aufzubringen.

Verlässliche Förderung gefragt

Von erheblicher Verunsicherung berichten die Regionalbüros vor allem hinsichtlich der staatlichen Förderung. Leerlaufende Fördertöpfe der KfW haben bei Privatleuten vielfach für Unsicherheit gesorgt. Den wiederholten Bekenntnissen der Politik, für Förderung auch des selbstgenutzten Eigentums sorgen zu wollen —immerhin so im Koalitionsvertrag so festgehalten — steht aus Sicht der Bauherren eine als wenig verlässlich wahrgenommene Förderkulisse gegenüber. Daraus resultiere bei vielen von vorneherein der Verzicht auf eine mögliche Förderung, was die Entscheidung zu bauen meist negativ beeinflusse. Doch sind es nicht nur steigende Zinsen und horrende Baupreise, auch die stetig anwachsenden Anforderungen des energiesparenden Bauens sorgen für Skepsis. Hier stellten die Bauherren oft die Frage, ob oder inwieweit die Kosten für bauliche und technische Verpflichtungen durch tatsächliche Einsparungen kompensiert werden können. 

Verstärktes Interesse an Beratung gibt es bei Käufern von Bestandsimmobilien. Vor allem in die Region neu hinzuziehende Käufer zeigten Interesse an Altbauten. Schwerpunkt der Beratung, so melden die VPB-Sachverständigen, sei das Thema der energetischen Ertüchtigung. 

Dem offensichtlichen Nachlassen der Baukonjunktur im Bereich des privaten Bauens steht ein ungebrochen hohes Interesse nach dem eigenen Heim gegenüber, wie eine aktuelle FORSA-Umfrage wieder zeigt. 79 Prozent aller Befragten wünschten sich, in der eigenen Immobilie zu wohnen, wogegen lediglich 17 Prozent als Mieter zufrieden sind. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach dem eigenen Heim in der Altersgruppe der 20 – 29jährigen. 

„Wenn wir die wohnungspolitischen Ziele, zu denen ja auch die Stärkung des privaten Wohneigentums gehört, derzeit betrachten, dann stehen wir vor einer schwierigen Gemengelage. Es ist abzusehen, dass die preistreibenden Faktoren sich weder kurz- noch mittelfristig abschwächen werden. Damit wird es zu einem Absinken des privaten Wohnungsbaus mit weitreichenden Folgen kommen. Insbesondere die private Alterssicherung durch Wohneigentum, die gerade in Zeiten der Inflation wahrscheinlich die beste aller Vorsorgemöglichkeiten ist, erfährt einen Einbruch, der auch auf eine unzuverlässige Förderpolitik zurückzuführen ist. Im Hinblick auf die gewünschte Entlastung des Staatshaushalts durch privates Bauen ist diese Entwicklung bedenklich. Dem steht das ungebrochene Interesse privater Bauherren gegenüber – und gerade bei den jungen Menschen, die frühzeitig an ihre Alterssicherung denken, sollte die Politik schnell solide und zuverlässige Maßnahmen ergreifen. Von dieser Generation wird so vieles in Zukunft zu schultern sein, dass es ein Gebot der Solidarität sein sollte, ihnen nun bei der Realisierung der eigenen Immobilie ein Stück entgegenzukommen“, so VPB-Hauptgeschäftsführerin Corinna Merzyn.